
Wer mit dem Motorrad durch Russland fahren will, hat die Qual der Wahl. Drei Routen tauchen in fast jedem Reisebericht auf: die Transsibirische Magistrale, der Tschuiski Trakt und der Goldene Ring. Alle drei zeigen ein anderes Russland, und alle drei verlangen einen anderen Aufwand an Zeit, Papieren und Kilometern.
Inhaltsübersicht
Transsibirische Magistrale
Die Strecke von Moskau nach Wladiwostok folgt grob dem Verlauf der berühmten Eisenbahnlinie und bringt es auf etwa 9.300 Kilometer. Das ist keine Urlaubsroute für zwei Wochen, sondern ein eigenes Projekt. Wer sie fährt, kommt an Jekaterinburg, Nowosibirsk und Irkutsk vorbei, quert den Ural, durchquert Sibirien und erreicht am Baikalsee eines der größten Süßwasserreservoirs der Erde.
Der kritische Abschnitt liegt hinter Tschita: die Amur-Fernstraße (R297) bis Chabarowsk, rund 2.165 Kilometer. Bis 2010 war dieser Teil größtenteils unbefestigte Piste, teils Furt statt Brücke. Erst eine gezielte Ausbaukampagne, symbolisch begleitet von Putins eigener Lada-Fahrt 2012 von Tschita nach Blagoweschtschensk, brachte durchgehenden Asphalt. Reiseberichte aus den Nullerjahren beschreiben die Strecke als riskant, mit Berichten über nächtliche Überfälle auf Lastwagen. Das ist Geschichte, die Straße gilt heute tagsüber als ruhig, aber der Ruf hält sich hartnäckig in älteren Foren.
Rund um Mogotscha und Skoworodino liegt der sogenannte Kältepol der Strecke, mit Permafrost und Wintertemperaturen bis minus 60 Grad. Für eine Sommertour im Juli oder August ist das kein Hindernis, aber selbst dann kann es Ende Mai noch schneien. Wer diese Route plant, sollte eher einen ganzen Sommer als einen Jahresurlaub einplanen.
Tschuiski Trakt
Der Tschuiski Trakt (R256) beginnt bei Nowosibirsk, führt über Barnaul und Gorno-Altaisk ins Altai-Gebirge und endet bei Taschanta an der mongolischen Grenze, insgesamt rund 900 bis 960 Kilometer. National Geographic zählte ihn 2014 zu den zehn schönsten Straßen der Welt, was für eine Bundesstraße mitten in Sibirien kein kleines Kompliment ist. Ein Teilstück folgt dem türkisblauen Katun-Fluss, dahinter öffnen sich die Hochebenen des Altai.
Wichtig für die Planung: Südlich von Kosch-Agatsch beginnt die russische Grenzzone. Für diesen Abschnitt braucht es einen Passierschein (Propusk) der Grenzbehörde, den man im Idealfall einen Monat im Voraus beantragt. Reiseagenturen in Gorno-Altaisk übernehmen das gegen Gebühr und beschleunigen den Prozess spürbar. Ohne diesen Schein bleibt einem der letzte, spektakulärste Teil der Route bis zur Grenze verschlossen.
Wer sich für die Kultur der Region interessiert: Im Altai leben bis heute turksprachige Volksgruppen mit eigenen schamanistischen Traditionen, erkennbar an den vielen Opferbändern, die an Bäumen entlang der Passstraßen hängen.
Goldener Ring
Der Goldene Ring liegt nordöstlich von Moskau und verbindet historische Städte wie Susdal, Wladimir und Jaroslawl, alle drei UNESCO-Welterbe. Die Gesamtstrecke beträgt etwa 700 Kilometer, gut zu fahren in einer regulären Urlaubswoche, mit durchgehend guter Infrastruktur und ohne Grenzzonen oder Sondergenehmigungen.
Zu sehen gibt es Kremlanlagen, Klöster aus dem 12. bis 17. Jahrhundert und die charakteristischen Zwiebeltürme mit Goldkuppeln, dazwischen sanfte Hügellandschaft und Flusstäler. Für Erstbesucher Russlands mit begrenztem Zeitbudget ist das die unkomplizierteste der drei Routen.
Alle drei Strecken zeigen, wie groß die Unterschiede innerhalb eines einzigen Landes sein können. Der Goldene Ring passt in eine normale Urlaubswoche, ohne Papierkram. Der Tschuiski Trakt braucht einen Passierschein und etwas Vorlauf. Die Transsib ist eher ein Sommerprojekt als eine Zwei-Wochen-Reise. Welche Route passt, entscheidet vor allem die verfügbare Zeit, nicht der Ehrgeiz. Aktuelle Hinweise zu Visum, Grenzübergängen, Versicherung und Sicherheitslage stehen gesammelt in unseren Fragen und Antworten zur Motorradtour nach Russland (https://www.bikertour-russland.de/fragen-und-antworten/).





